Exkursionen

Zurück zur Natur

 

Klasse 10d und P-Seminar Geografie informieren sich über die ökologische Umgestaltung der Mittleren Altmühl

Am 26. Juni unternahm die Klasse 10d und das P-Seminar Geographie der Q11 mit ihren Lehrern, Herrn Drechsel und Herrn Römhild, eine Exkursion zu verschieden Stationen der Mittleren Altmühl. Dabei hat sich Herr Hüttinger vom Wasserwirtschaftsamt in Ansbach bereit erklärt, den Schülern die verschiedenen Bauabschnitte an der Altmühl näher zu bringen. Die Altmühl gilt als der „langsamste Fluss Bayerns“, da sie lediglich über ein mittleres Gefälle von 15 cm/km verfügt. Kennzeichnend für dieses Gewässer ist auch, dass in niederschlagsarmen Jahren der Abfluss teilweise auf wenigen 100 l/s zurückgeht, wohingegen auch lang anhaltende Hochwasserereignisse auftreten, in denen das Gewässer flächig ausufert.

 

Im Rahmen des bayerischen „Auenprogramms“ hat sich das Wasserwirtschaftsamt Ansbach zum Ziel gesetzt, die Mittlere Altmühl umfassend ökologisch umzugestalten. Dadurch soll sowohl das anthropogen überformte Gewässer, als auch die angrenzende Talaue wieder hin zu einem ungestörten, vielfältigen Lebensraum für Flora und Fauna entwickelt werden. Die Gesamtkosten betragen rund acht Millionen Euro, davon ca. drei Millionen für den umfangreichen Grunderwerb.

Anfangs machte die Gruppe Station in Gundelsheim, dabei informierte der Bauingenieur über die sog. “Korrektion der Altmühl“, die 1900 in Folge einer Hungersnot vollzogen wurde. Ursprünglich war die Mittlere Altmühl ein weitestgehend natürliches Fließgewässer mit weiten Mäanderschleifen sowie einem stark verästelten Gewässerlauf mit vernetzten Haupt- und Nebenarmen. Überflutungen des weiten Talraumes behinderten die landwirtschaftliche Nutzung, sodass immer wieder Heuernten durch Überschwemmungen vernichtet wurden und Tiere infolge Futtermangels notgeschlachtet werden mussten.

Durch die im Rahmen dieser Korrektion von 1910-1920 vorgenommene „Begradigung“ konnte das Hochwasser eingedämmt werden und die vorher überschwemmten Gebiete nun als Acker- und Weideflächen genutzt werden. Für Niedrigwasserzeiten wurden regulierbare Stauanlagen errichtet. Das Ziel, das Grünland und dessen Nutzung vor Hochwässern zu schützen, wurde trotz gewaltiger Erdbewegungen nur bedingt erreicht.

Durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft sind diese Flächen inzwischen jedoch weitaus weniger wichtig für die Nahrungsversorgung als noch um 1900. Der ökologische Schaden in der Talaue ist jedoch beträchtlich – die Altmühl ist zu einem monotonen, strukturarmen „seelenlosen Altmühlkanal“ verkommen. Besonders in abflussschwachen Sommermonaten stagniert das kritisch belastete Gewässer ohne hinreichende Fließbewegungen. Der fehlende Ufergehölzsaum begünstigt durch fehlende Beschattung z. B. die massenhafte Algenentwicklung. Zum Schutz der wertvollen Restflächen wurde das Gebiet unter „Natura 2000“ als FFH-Lebensraum erfasst. Somit steht die Artenvielfalt bzw. deren Schutz nunmehr im Vordergrund. Damit soll die Bedeutung des Altmühltals für den Erhalt wiesenbrütender Vogelarten herausgestellt werden.

Deshalb wurden seit dem Jahr 2000 die Flächen rund um den 23 Kilometer langen Teilabschnitt zwischen Gunzenhausen und Treuchtlingen Schritt für Schritt vom Staat erworben und nach langer Planungsplanungsphase teilweise renaturiert. Bis 2015 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein und die Altmühl wieder weitgehend so verlaufen wie vor über 100 Jahren.

Die zweite Station unserer Exkursion war die Ehlheimer Brücke. Hier betonte Herr Hüttinger besonders die Zusammenarbeit mit den Bauern, die die Flächen rund um die Altmühl nur besonders schonend und unter strengen Richtlinien mähen dürfen. Er zeigte auch auf, wie die Altmühl nach der Korrektion verlief und inwiefern sich deren Verlauf durch die Renaturierung geändert hat. Durch verschiedene wasserbauliche Maßnahmen, wie Verlängerung und Verästelung des Gewässerverlaufs oder durch Öffnung von Altarmen wir eine neue, aber natürliche Gewässerlandschaft geschaffen. Um der Strukturarmut zu begegnen werden die Abflussquerschnitte wechselweise eingeengt und aufgeweitet. Grundsätzlich wird besonders darauf geachtet, dass in bestehende, besonders schützenswerte Biotopflächen in den noch vorhandenen Altarmen sowie auf den Auenflächen möglichst wenig und schonend eingegriffen wird. Standortgemäße Initialpflanzungen mit Büschen und Bäumen ergänzen die Maßnahmen.

Neu geschaffene, unzugängliche Inselflächen, sowie die Beseitigung von Zufahrten zum Gewässer sorgen in Teilbereichen dafür, dass eine durch menschliche Einwirkungen möglichst ungestörte, natürliche Sukzession möglich wird.

Die letzte Station, die wir mit unserem Bus anliefen war etwa zwei Kilometer hinter Gundelsheim. Hier stand vor allem der Artenreichtum im Vordergrund. So informierte uns unser Lehrer und begeisterter Vogelbeobachter, Herr Römhild, über verschiedene Vogelarten wie z. B. den geschützten Kiebitz und die Auswirkungen der Renaturierung auf die Bestände. Herr Drechsel benannte uns zudem zahlreiche seltene Pflanzen und Insekten.

 

Text: Yannick Stöber und Johannes Fellner, 10d – Markus Drechsel, StR

 

Hier ein paar Impressionen...

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