Zeitzeugengespräch mit der Ex-DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld


Im Rahmen der Zeitzeugengespräche zum Thema "20 Jahre Mauerfall und  Wiedervereinigung" rundete das am 26. November 2010 durchgeführte Gespräch mit Vera Lengsfeld den Zyklus ab.

Als Ex-DDR-Bürgerrechtlerin und Mitbegründerin der DDR-Friedensbewegung die mit dem Slogan "Schwerter zu Pflugscharen"bekannt wurde, stellte sie den Schülerinnen und Schülern der 10. Klassen und dem W-Seminar "DDR" ihren mutigen Lebensweg vor.

Diplomphilosophin - geschieden, drei Kinder - 1983 Berufsverbot wegen Protests gegen die Raketenstationierung auf DDR-Gebiet - Mitbegründerin des 1. Friedenskreises in der DDR - Protest gegen die große Umweltverschmutzung im Chemiedreieck Halle-Bitterfeld - Aufbau der Kirche von unten - Moderation des ersten Menschenrechtsseminars innerhalb der evangelischen Kirche - 1988 Inhaftierung im Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen nach einem öffentlichen Protest für freie Meinungsäußerung - Abschiebung nach England und Rückkehr nach dem 9. November 1989 in die DDR - von 1990 bis 2005 im Bundestag zunächst für die Partei der GRÜNEN und dann für die CDU/CSU-Fraktion - frei schaffende Publizistin.

So sahen die einzelnen Stationen der engagierten Kämpferin für Frieden, Freiheit und Bürgerrechte aus.

Ihren Widerstand gegen das diktatorische System in der DDR stellte sie den gespannt zuhörenden Jugendlichen dar als Zeichen für Mut, Entschlossenheit und Unterstützung in einer Gruppe Gleichgesinnter. Oftmals gab es in kritischen Situationen glückliche Umstände, die einen Ausweg boten. Auch fand man im Laufe der Zeit Tricks und Kniffe, wie man sich vor den allgegenwärtigen Stasi-Bespitzelungen schützen konnte. In diesem Zusammenhang war wohl der größte menschliche Tiefschlag, als ihr eigener Ehemann als "IM (informeller Mitarbeiter) Donald" als Stasispitzel 1992 enttarnt wurde.

Dass sie auch nach der Wiedervereinigung weiterhin couragiert für ihre Ziele und Ideale einstand, zeigte ihre entschiedene Haltung gegen mögliche Koalitionen ihrer Partei mit der SED-Nachfolgepartei PDS und ihren Austritt aus der Partei der GRÜNEN.

Die Wiedervereinigung bezeichnet sie als einzigartigen Glücksfall auf den "alle stolz sein können", den das mutige Eintreten vieler Bürger für Recht und Freiheit erreicht haben.

Am Schluss stellten einige Schüler Fragen zum Gefängnisaufenthalt in Hohenschönhausen und zum familiären Umfeld. Auf den Einwand eines Schülers, "Sozialismus wäre doch nicht so schlecht", entgegnete Frau Lengsfeld, "die Idee - Gleichheit durch Umverteilung wäre zwar schön, ist aber in der Realität nicht umzusetzen". Damit beschloss sie den eineinhalbstündigen Vortrag und verabschiedete die Schülergruppe. Herr Lechner, Fachschaftsleiter Geschichte, bedankte sich recht herzlich bei der Referentin für die weite Anreise aus Berlin mit ein paar "fränkischen Köstlichkeiten".