Cybermobbing (7. Klassen)

Schulartübergreifender Elternabend zum Thema „Cybermobbing“ am 16.11.2017

Am 16.11.2017 fand in der Aula der Mittelschule Weißenburg ein Elternabend zum Thema „Cybermobbing“ statt. Frau Hauptkommissarin Kasecker von der Dienststelle Ansbach gab interessierten Eltern und Lehrern der Förderschule, Mittelschule, Realschule und des Gymnasiums Weißenburg einen hilfreichen Einblick in diese Thematik. Sie sprach über die Gefahren im Internet, die Folgen für Täter und Opfer, den Schutz vor Cybermobbing und gab schließlich Tipps für Opfer. Trotz des hochsensiblen Themas gelang es Frau Kasecker in herausragender Weise den Vortrag nicht nur anschaulich, sondern auch überaus unterhaltsam zu gestalten.

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Zunächst klärte Frau Kasecker über die unterschiedlichen Opfertypen auf. Dabei war überraschend, dass Jungen häufiger Opfer von Cybermobbing werden als Mädchen und häufig still unter der Situation leiden. Untersuchungen zu Folge betrifft die Problematik alle Schularten, wobei erstaunlicherweise die Falldichte in der Grundschule am höchsten ist und mit zunehmendem Alter der Kinder abnimmt.

Cybermobbing ist besonders problematisch, weil kein direkter Kontakt zum Opfer notwendig ist, die Straftat vermeintlich anonym bleibt, ein großes Publikum erreicht wird und durch die Weiterverbreitung der Texte, Fotos und Videos der Umfang und die Auswirkungen nicht mehr überschaubar und steuerbar sind. Erschwerend kommt hinzu, dass im Internet auch gelöschte Inhalte nach Jahren wieder auftauchen können, sobald diese von einem User gespeichert wurden. Somit werden Opfer immer wieder mit dem Problem konfrontiert.

Frau Kasecker vermittelte die verschiedenen Gefahrenquellen in der digitalen Welt und erklärte an konkreten Fällen aus ihrem Dienstalltag die Problembereiche Sexting, Happy Slapping, Kettenbriefe und Snuff. Bei Sexting handelt es sich um die Weiterleitung pornographischer Inhalte. Dazu muss keine sexuelle Handlung vorliegen – bereits Nacktaufnahmen fallen in diesen Bereich. Happy Slapping fällt unter den Tatbestand der Verbreitung gewaltverherrlichender Bilder zum Beispiel durch das Filmen und Posten von Schlägereien. Zu dieser Kategorie zählen auch täuschend echt gespielte Tötungsszenarien, die als Snuff bezeichnet werden. Frau Kasecker zitierte in diesem Zusammenhang eine Berliner Studie, der zu Folge 75% der Jugendlichen im Alter von 12-18 Jahren pornographisches oder gewaltverherrlichendes Material auf ihren Handys gespeichert hätten.

Die Folgen für die Opfer von Cybermobbing reichen von Schlaf- und Lernstörungen, über Schulangst bis hin zu Depressionen mit Selbstverletzung und schließlich Suizid. Frau Kasecker betonte, dass in allen Fällen von Cybermobbing zumindest die schulischen Leistungen der Opfer absinken, da die Opfer permanent unter Druck stehen.

Auch für die Täter hat Cybermobbing weitreichende Folgen. Bisher ist Cybermobbing keine Straftat, aber es fällt in den Bereich anderer Straftaten wie Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung, Nötigung, Bedrohung, Erpressung, Gewaltverherrlichung, Verbreitung pornographischer Inhalte etc. Erfährt die Polizei von einer Straftat, muss diese zur Anzeige gebracht werden. Dies hat eine erkennungsdienstliche Behandlung zur Folge, die für mindestens fünf Jahre gespeichert wird. Dies bedeutet ebenfalls einen Eintrag in das polizeiliche Führungszeugnis. Da man mit 14 Jahren strafmündig ist, wird ein entsprechendes Strafverfahren eingeleitet. Die verhängten Strafen sind in erster Linie die Ableistung von Sozialstunden zum Beispiel in einem Altersheim. Frau Kasecker machte in diesem Zusammenhang auf die schwerwiegenden Auswirkungen beim Berufseinstieg aufmerksam.

Sehr eindrücklich war das Beispiel eines 14jährigen, der aus Liebeskummer das Oben-ohne-Foto seiner Exfreundin mit dem Kommentar „Diese Schlampe kann jeder haben“ in seiner Fußball-WhatsApp-Gruppe postete. Der strafmündige Junge wurde wegen Verbreitung pornographischer Inhalte sowie sexuellem Missbrauch von Kindern angeklagt, denn in dieser WhatsApp-Gruppe befanden sich auch 13jährige, denen er durch den Post pornographisches Material zur Verfügung gestellt hatte.

Da sowohl die Folgen für die Opfer als auch die Tragweite für die Täter den Jugendlichen nicht bewusst sind, kommt Eltern und Schule eine große Bedeutung in der Aufklärungsarbeit zu. Daher gab Frau Kasecker abschließend hilfreiche Tipps. Opfer sollten sich unbedingt an eine Vertrauensperson wenden, Beweismaterial sichern und gegebenenfalls Anzeige erstatten. Vorbeugend riet Frau Kasecker zu Datensparsamkeit und die Überprüfung der Sicherheitseinstellungen für den privaten Bereich beim Anlegen eines Profils in sozialen Netzwerken.

Hausherr der Mittelschule Weißenburg, Rektor Scharrer, bedankte sich bei den vier Lehrkräften der vier beteiligten Schulen, die diesen Elternabend organisiert hatten. Carmen Endres (Gymnasium), Simone Neubauer (Realschule), Veronika Schmalz (Förderzentrum) und Matthias Peter (Mittelschule) bekamen als Dankeschön ein kleines Präsent überreicht.

Die mit etwa 150 Zuhörern gut besuchte Veranstaltung gab einen interessanten Überblick mit vielen konkreten Beispielen aus dem Dienstalltag der Polizei. Die schulübergreifende enge Kooperation im Themenbereich „Cybermobbing“ soll mit einem Projekttag zu diesem Thema für die Schüler aller 7. Klassen im Februar sowie einem Theaterstück im Juli fortgesetzt werden.