Eisige Temperaturen, kniehoher, knirschender Schnee und bunte, leuchtende Polarlichter am Himmel – das dachte ich. Dass alles ganz anders kommen würde, war mir vor meinem vierwöchigen Austausch nach Finnland noch nicht bewusst. Voller Aufregung darüber, was mich erwarten wird, flog ich zunächst nach Helsinki und im Anschluss weiter nach Vaasa, wo meine Gastfamilie bereits auf mich gewartet hat. Nach einem herzlichen Empfang und ein paar gebrochenen englischen Sätzen fuhren wir noch etwa eine halbe Stunde zu ihnen nach Hause. Den Abend verbrachten wir alle zusammen und ich lernte einen der drei älteren Brüder meiner Gastschwester sowie seine Frau kennen. Wir beendeten den Tag mit einem erholsamen Saunagang und verbrachten den darauffolgenden Tag mit alltäglichen Aufgaben wie Einkaufen.
An meinen ersten Schultagen lernte ich zunächst den Schulleiter kennen und habe einen Laptop gestellt bekommen. Außerdem konnte ich mir meinen eigenen Stundenplan mit den Fächern zusammenstellen, die mich interessierten. Eine Sache, die mir direkt am ersten Tag aufgefallen ist, ist wie freundschaftlich und unterstützend der Umgang von den Lehrern zu den Schülern ist. Das lag sicher auch daran lag, dass alle Lehrer und sogar der Schulleiter mit dem Vornamen angesprochen werden.
Meine Schultage war meistens ähnlich: Am Morgen ging es für mich um acht Uhr los. Wir mussten etwa 15 Minuten zur nächstgelegenen Bushaltestelle laufen und fuhren dann auch noch einmal eine Viertelstunde mit dem Bus in die nächstgrößere Stadt. Der Unterricht startete um 8:45 Uhr und endete um 16 Uhr. Durch meine Fächerwahl hatte ich zwischendrin ein paar Freistunden. Besonders schön fand ich, dass es jeden Tag kostenlos Mittagessen in der Schule gab – und das war wirklich lecker.
In den ersten Tagen lernte ich auch eine andere Austauschschülerin kennen. Sie war aus Chile, bereits fast ein halbes Jahr dort und kannte sich dementsprechend gut aus. In den Mittagspausen und manchmal in den Freistunden hat sie mir ein bisschen die Umgebung gezeigt.
Nach dem Unterricht sind meine Gastschwester und ich häufig zu irgendwelchen anderen Aktivitäten gegangen, wie zum Tanzen oder auch zu Handarbeitskursen. An einem Abend nahmen wir an einem Workshop zum Kerzengießen teil, der uns wirklich viel Spaß gemacht hat. Die Stadt hatte auch ein kleines Schwimmbad, in das wir ein paar Mal schwimmen gegangen sind.
An den Wochenenden haben wir oft kleine Ausflüge unternommen, wie zum Beispiel an die Küstenregion rund um die Stadt Vaasa, von der man bei gutem Wetter sogar Teile Schwedens erahnen kann. Einmal haben wir in dem alten Landhaus meiner Gasteltern übernachtet, umgeben von unzähligen Bäumen, einem zugefrorenen See und in absoluter Ruhe – irgendwo im Nirgendwo trifft es wohl am besten. Wir haben Würste über dem Feuer gegrillt, ein Saunazelt gebaut und Feuerholz vorbereitet. Eins meiner Highlights war aber, dass ich Snowmobil und Traktor fahren durfte.
Und wie im Flug sind die vier Wochen vergangen. Der Austausch hat mir nicht nur einen Einblick in den finnischen Alltag und das Schulsystem gegeben, sondern auch viele neue Erfahren, Begegnungen und Erinnerungen geschenkt, die ich so schnell nicht vergessen werde. Ich bin unfassbar dankbar diese Möglichkeit durch Erasmus+ bekommen zu haben und würde mich jederzeit wieder für einen Austausch entscheiden.
Nadine Höppler
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