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Erasmus+ auf Island – Lernen zwischen Feuer und Eis

Im Rahmen eines Erasmus+-Aufenthalts durfte ich zwei spannende Wochen in Island verbringen – ein Land, das mit seiner beeindruckenden Natur und seinem besonderen Lebensgefühl nachhaltig in Erinnerung bleibt.

Internationale Fortbildung in Reykjavík

Die beiden Kurswochen fanden während der isländischen Sommerferien in einer Schule in Reykjavík statt. Unter dem Titel „Smart teachers play more outdoors“ stand zunächst ein spielerischer und bewegungsorientierter Unterricht im Mittelpunkt.

Die Fortbildung wurde vollständig auf Englisch durchgeführt und brachte Lehrkräfte aus zahlreichen europäischen Ländern sowie aus französischen Überseegebieten zusammen. Neben neuen didaktischen Impulsen war daher der internationale Austausch besonders bereichernd. Es entstanden viele interessante Gespräche über unterschiedliche Schulsysteme und Unterrichtskulturen. Ein Höhepunkt war zudem der Besuch einer weiteren Schule, der einen direkten Einblick in das isländische Bildungssystem ermöglichte.

Nachhaltigkeit erleben

Die zweite Kurswoche widmete sich dem Thema „Sustainability“. Besonders eindrucksvoll war der Besuch des Geothermiekraftwerks „Hellisheiði Geothermal Power Plant“, eines der größten Geothermiekraftwerke weltweit und das größte in Island.

Die Anlage ist eng mit dem innovativen „CarbFix-Projekt“ verbunden, das als Vorreiter in der CO₂-Speicherung gilt. Dabei wird Kohlendioxid entweder aus Industrieabgasen oder direkt aus der Luft gewonnen, in Wasser gelöst und tief in porösen Basaltboden gepumpt. Dort mineralisiert es innerhalb kurzer Zeit zu festem Gestein – ein faszinierendes Beispiel moderner Klimaforschung.

Der Golden Circle

Auch das klassische Ausflugsprogramm kam nicht zu kurz. Besonders beeindruckend war die Tour entlang des „Golden Circle“, einer der bekanntesten Routen Islands, die zu drei Naturhighlights führt:

Im Þingvellir National Park konnte man eindrücklich zwischen den auseinanderdriftenden eurasischen und nordamerikanischen Kontinentalplatten wandern. Hier verläuft auch die weltberühmte Silfra-Spalte, in der man zwischen den beiden Platten in glasklarem Wasser tauchen kann.

Der Nationalpark besitzt zudem eine große historische Bedeutung. Bereits zur Zeit der Besiedlung führten Reitwege aus allen Landesteilen nach Þingvellir. Auf dem Thingplatz fand um das Jahr 930, gegen Ende der Landnahme durch vor allem norwegische Wikinger, jährlich im Juni eine zweiwöchige Versammlung statt – das Althing. Diese traditionelle Zusammenkunft hatte sowohl gesetzgebende als auch gerichtliche Aufgaben und zählt zu den ältesten parlamentarischen Institutionen der Welt, neben den antiken Versammlungen in Griechenland und im Römischen Reich.

Ganz in der Nähe des Þingvellir National Parks befindet sich das Geothermalgebiet Geysir im Haukadalur-Tal. Berühmt wurde es durch den Großen Geysir, der als Namensgeber aller Geysire weltweit gilt. Momentan ist dieser zwar nicht aktiv, aber dafür bricht der Geysir Strokkur alle 5 bis 10 Minuten aus und schleudert dabei Wasser bis zu 20 Meter hoch in die Luft.

Der Gullfoss („Goldener Wasserfall“) machte seinem Namen bei strahlendem Sonnenschein und einem herrlichen Regenbogen alle Ehre. Der Wasserfall besteht aus zwei Stufen mit einer Höhe von 11 m und 21 m. Die gewaltigen Wassermassen erzeugen dabei einen beeindruckenden, tosenden Lärm. Dass man dieses Naturschauspiel heute noch bewundern kann, ist dem Einsatz einer Anwohnerin zu verdanken, die sich um 1920 erfolgreich gegen den geplanten Bau eines Elektrizitätswerks an dieser Stelle einsetzte.

Vulkane in Aktion

Während meines Aufenthalts zeigte sich Island auch von seiner aktiven Seite: Auf der Halbinsel Reykjanes kam es zu einem erneuten Vulkanausbruch im Bereich des Sundhnúkur-Kratergebiets nahe Grindavík. Für mich als Geographie-Lehrkraft war das ein absolutes Highlight. Eine geführte Wanderung entlang des glühendheißen, zähflüssigen Lavastroms sowie ein Helikopterflug über die Eruptionszone des Spaltenvulkans machten dieses Naturereignis unvergesslich.

Leben in Island – entspannt, teuer und besonders

Auch außerhalb der Kurse bot Island viele Eindrücke. Beim Whale-Watching vor der Küste konnte ich Mink- und Buckelwale beim Fressen beobachten, begleitet von zahlreichen Delfinen. Der Besuch eines exklusiven Thermalbades bot anschließend die perfekte Gelegenheit, die Erlebnisse in Ruhe Revue passieren zu lassen.

Eine kostengünstigere Alternative zu den touristisch geprägten Thermalbädern sind die öffentlichen Schwimmbäder. Das Baden ist ein fester Bestandteil des isländischen Alltags und findet in zahlreichen Freibädern und sogenannten Hot Pots statt, deren Wassertemperatur meist zwischen 38 und 43 Grad Celsius warm ist. Diese Orte dienen nicht nur der Entspannung, sondern auch als sozialer Treffpunkt für Menschen aller Altersgruppen –unabhängig von Wetter und Jahreszeit. Hier erlebte ich echte isländische Lebensart und kam mit Einheimischen in entspannter Atmosphäre ins Gespräch.

Fazit

Ein lange gehegter Traum wurde für mich wahr, da ich im Anschluss an meinen Erasmus+-Aufenthalt noch dreieinhalb Wochen eine Rundreise durch Island unternommen habe. Nach diesem intensiven Erlebnis bleibt vor allem eine tiefe Begeisterung. Die Landschaft aus Feuer und Eis ist einzigartig, und die Menschen wirken sehr gelassen und offen.

Die Verbindung aus internationalem Lernen, beeindruckender Natur, geologischen Besonderheiten und einer besonderen Lebensweise macht diesen Erasmus+-Aufenthalt zu einer unvergesslichen Erfahrung – geprägt vom Spannungsfeld zwischen Feuer und Eis.