Lesungen

Begegnung mit Humanität und Toleranz

Ein staubtrockener Klassiker, veröffentlicht vor 235 Jahren, begeistert Schüler heutzutage nur noch selten, wenn sie ihn als schulische Lektüre präsentiert bekommen. Ganz anders sieht die Sache aber aus, wenn die Begegnung mit diesem Text auf der Bühne stattfindet.

Das Wiener Forum-Theater konfrontierte die Zehntklässler am vergangenen Freitag in der Mensa mit einer gekürzten Fassung des thematisch immer noch brandaktuellen Dramas „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing und begeisterte die Schüler auf Anhieb. Im Mittelpunkt des Stückes, das im mittelalterlichen Jerusalem zur Zeit der Kreuzzüge spielt, steht die Frage nach der richtigen Religion. Mit Sultan Saladin, dem christlichen Tempelherrn und dem reichen Juden Nathan prallen hier drei Vertreter der großen Weltreligionen aufeinander und ringen um die Wahrheit, die dann der weise Nathan in der berühmten Ringparabel enthüllt: Jede der drei Religionen ist die richtige, solange deren Vertreter ihren Mitmenschen mit Respekt und Toleranz begegnen.

Dass sich dieser zeitlosen Erkenntnis auch die angedeutete, aber nicht zu realisierende Liebesgeschichte zwischen Recha und dem Tempelherrn unterordnen muss, hat man Lessing oft als realitätsfernes Element des Stückes vorgeworfen. Die Wiener Schauspieler vermochten aber die Brücke zu schlagen zwischen individuellem Glück und universeller Ordnung. Und sie blieben trotz ihrer historischen Kostüme und der originalgetreuen Sprache für die Schüler authentisch – was man auch am tosenden Applaus am Ende der 75 Minuten erkennen konnte. So sieht eine gelungene, lebensnahe Begegnung mit einem nur scheinbar angestaubten ‚Klassiker‘ aus.

 

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Text: StD Dr. Luff  /  Bilder: Nils Ruge, 10d

 

Theatro LieBido: Urfaust in 13 Bildern

Dass Literatur sehr lebendig sein kann und hautnah zu erleben ist, bewies das Einmanntheater Theatro LieBido, das den Schülern der Q11 in der Mensa unseres Gymnasiums „Urfaust in 13 Bildern“ zeigte. Der freischaffende Schauspieler, Schauspiellehrer und Schauspielpatient der LMU München, Michael Jaques Lieb, gründete bereits 1997 das Theatro LieBido und spielt seitdem den Urfaust vor allem in Schulen und Gymnasien im In- und Ausland.

In 80 Minuten brachte Michael J. Lieb den Schülern der Q11 das Drama „Urfaust“ von Johann Wolfgang von Goethe durch eine sehr interaktive Spielweise näher. Da Michael J. Lieb alle Rollen selbst darstellte, wie die Hauptcharaktere Gretchen, Mephisto und Faust, aber auch Nebenrollen, wie einen Schüler, mehrere Gesellen und einen Geist, forderte das Stück große Aufmerksamkeit und Hintergrundwissen von den Schülern. Durch deutliche Veränderungen der Körpersprache, Mimik und Gestik wurde ein Charakterwechsel deutlich. Meist nutzte der Schauspieler die sitzenden Schüler als stumme Gesprächspartner in Dialogen, wobei er selbst die sprechenden Rollen übernahm. Er ließ es auch nicht aus den einen oder anderen Zuschauer auf die Bühne zu holen. Hinzu kam, dass Herr Lieb den gesamten Raum nutzte und auch hinter den Schülern herumlief und diese miteinbezog, wodurch er die Aufmerksamkeit aller auf sich zog.

Die Sprache und der Text waren angelehnt an das Original von Johann Wolfgang von Goethe, doch manche Passagen wurden verkürzt und Veränderungen vorgenommen, um das Stück aufzulockern und es den Zuschauern näher zu bringen. Die Benutzung heutiger Technik sprach die Schüler an, sowie die zwischendurch gespielte Musik, welche Gesagtes verdeutlichte, einen Szenenwechsel demonstrierte oder Leitgedanken hervorhob. Besonders in der zweiten Hälfte  wurde die Stimmung ernster durch die zunehmende Verzweiflung der dargestellten Charaktere.

Insgesamt verlor das Stück trotz  amüsanter Szenen seinen ernsthaften Hintergrund nicht und gab den Schülern einen lebensnahen, authentischen Einblick in das Drama „Urfaust“.

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Text: Lisa Ntomos, Q11, Bilder: OStR Oliver Modlmeir