Lesungen

„Atemlos durchs Schulhaus, wir werfen alle Checker raus“

Nein Frau Reichardt hat nicht ihre Liebe zu Helene Fischer entdeckt und ihr Unterstufenchor singt auch wesentlich melodischer und textsicherer. Dafür grölten die Fünftklässler deutlich lauter als Autor Hans-Peter Schneider alle Zuhörer aufforderte den Helden seiner Comic-Roman-Reihe „Seppis Tagebuch“ stimmgewaltig mit dem Lied gegen die verfeindeten „Checker“ zu unterstützen.

Der Song ist Teil der „ODA – Operation Deppen Abwehr“ – der Clique um Seppi, der sich im Laufe der einzelnen Bände gegen lästige Mitschüler, nervige Lehrer und stressige Eltern behaupten muss und dafür viele Streiche ausheckt. Auf seine Bande „Die Chiller“ kann sich Seppi dabei immer verlassen.

Die Geschichten von Seppi sind eine gelungene Mischung aus Ludwig Thomas bayerischen „Lausbuben Geschichten“ und dem amerikanischen Comic-Roman „Gregs Tagebuch“. Mit großem schauspielerischem Talent erweckte der Autor seine Figuren zum Leben und riss die Schüler von der ersten Minute an mit. So wurde die „Lesung“ schnell zu einer „Performance“, bei der auch zentrale Fragen des Lebens rund um das Thema „Küssen“ und „Wahrheit oder Pflicht“ angesprochen wurden.

Im Anschluss beantwortete Herr Schneider die zahlreichen Fragen der Schüler, signierte Autogrammkarten und posierte für Selfies mit den neu gewonnen Fans. „Saustark!“ - das war das einstimmige Urteil der Fünftklässler über die Lesung von Hans-Peter Schneider am 16. Mai 2019.

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Begegnung mit Humanität und Toleranz

Ein staubtrockener Klassiker, veröffentlicht vor 235 Jahren, begeistert Schüler heutzutage nur noch selten, wenn sie ihn als schulische Lektüre präsentiert bekommen. Ganz anders sieht die Sache aber aus, wenn die Begegnung mit diesem Text auf der Bühne stattfindet.

Das Wiener Forum-Theater konfrontierte die Zehntklässler am vergangenen Freitag in der Mensa mit einer gekürzten Fassung des thematisch immer noch brandaktuellen Dramas „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing und begeisterte die Schüler auf Anhieb. Im Mittelpunkt des Stückes, das im mittelalterlichen Jerusalem zur Zeit der Kreuzzüge spielt, steht die Frage nach der richtigen Religion. Mit Sultan Saladin, dem christlichen Tempelherrn und dem reichen Juden Nathan prallen hier drei Vertreter der großen Weltreligionen aufeinander und ringen um die Wahrheit, die dann der weise Nathan in der berühmten Ringparabel enthüllt: Jede der drei Religionen ist die richtige, solange deren Vertreter ihren Mitmenschen mit Respekt und Toleranz begegnen.

Dass sich dieser zeitlosen Erkenntnis auch die angedeutete, aber nicht zu realisierende Liebesgeschichte zwischen Recha und dem Tempelherrn unterordnen muss, hat man Lessing oft als realitätsfernes Element des Stückes vorgeworfen. Die Wiener Schauspieler vermochten aber die Brücke zu schlagen zwischen individuellem Glück und universeller Ordnung. Und sie blieben trotz ihrer historischen Kostüme und der originalgetreuen Sprache für die Schüler authentisch – was man auch am tosenden Applaus am Ende der 75 Minuten erkennen konnte. So sieht eine gelungene, lebensnahe Begegnung mit einem nur scheinbar angestaubten ‚Klassiker‘ aus.

 

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Text: StD Dr. Luff  /  Bilder: Nils Ruge, 10d